GFS als Gastgeber des Blätterwalds : "Goethe und seine Frauen"

Wegen Corona musste das Forchheimer Literaturfest Blätterwald ein Jahr lang pausieren, jetzt konnte es - wenn auch unter gewissen Auflagen - wieder stattfinden und machte am 18. November 2021 Station in der Aula unserer Schule.

Der mittlerweile weit über die Landkreisgrenzen bekannte Lehrer, Regisseur und Schauspieler Rainer Streng nahm sich in einem kurzweiligen knapp zweistündigen Vortrag diesmal des Themas "Goethe und seine Frauen" an.

Das fast 50 köpfige Publikum lernte den Dichterfürsten dadurch aus einer ganz anderen Perspektive als vielleicht noch aus dem Deutschunterricht erinnerlich kennen. Streng machte seine Zuhörer mit einer Vielzahl von Frauenpersönlichkeiten bekannt, die in Goethes Leben von Bedeutung waren, die ihn geprägt haben. Am Anfang standen natürlich die Mutter, für die ihr Sohn auch noch im Erwachsenenalter der "Hätschelhans" blieb, und die Schwester, mit der Goethe zeit ihres Lebens sehr verbunden war. Schnell kamen für den leicht entflammbaren Dichter aber attraktive Frauenbekanntschaften außerhalb des Familienkreises hinzu, die sein Seelenleben stets im höchsten Maße durcheinanderwirbelten, denn eifersüchtig war der junge Student und damals noch Amateurschriftsteller nämlich auch.

Glücklicherweise notierte er seine Gefühlswallungen schon damals in Gedichten, so dass wir heute noch einiges davon wissen. Unter gegenwärtiger Betrachtungsweise würden wir den jungen Goethe wohl als bindungsunfähig bezeichnen: Immer wenn es ernst wurde, lief er fort - gerne auch, ohne sich auch nur zu verabschieden. Zumindest gingen ihm die Trennungen damals wohl auch nahe: "Du gingst, ich stund und sah zur Erden / Und sah dir nach mit nassem Blick", dichtete er im Alter von 22 Jahren. In späteren Jahren war ihm dieses Männerbild dann offenbar unangenehm: er gab zwar zu, dass er es war, der gegangen war - aber weinen musste dann die Frau: "Ich ging, du standst und sahst zur Erden /Und sahst mir nach mit nassem Blick" formulierte er sein Gedicht um, als er fast 40 war.

Eine Gefährtin für die Dauer fand Goethe dann aber doch noch, wie Streng den Zuhörern erzählte. Etwa im Alter von 40 Jahren lernt der Dichter eine von ihrer Herkunft einfache, aber anscheinend sehr patente junge Frau kennen: Christiane Vulpius, mit der er 18 Jahre in wilder Ehe zusammenlebt, bevor er sie schließlich heiratet. Zehn Jahre später stirbt sie. Goethe leidet, wie die Zuhörer von Streng erfahren - aber sein grundsätzliches Interesse an Frauen bleibt: noch mit 72 verliebt er sich bei einem Kuraufenthalt in ein 17jähriges Mädchen, einer Hochzeit ist er nicht abgeneigt. Daraus wird nichts - Goethes Herzschmerzen spiegeln sich einmal mehr in seiner Dichtung, den "Marienbader Elegien".

Streng wollte den Klassiker Goethe mit den Einblicken in das Leben des Privatmannes ein bisschen von "seinem Sockel stoßen". Das ist ihm wohl gelungen. Die Zuhörer verließen die Aula des GFS mit einigen neuen Einblicken.